Wir haben in der ersten Märzwoche Heilfasten ausprobiert, d.h. eine Woche nur Saft und Gemüsebrühe zu uns genommen. Mich reizt es schon seit Jahren, das auszuprobieren und man hört immer wieder, dass es sehr gesund sein soll. Zunächst wollte ich aber ausschließen, dass ich irgendeinen Mangel habe oder etwas anderes gegen das Fasten spricht. Nachdem meine Hausärztin letztes Jahr keine Einwände hatte, habe ich angefangen, mich mit dem Thema zu beschäftigen.
Heilfasten geht auf den deutschen Arzt Otto Buchinger zurück. 1917 erkrankte Buchinger an einer Mandelentzündung, die nicht vollständig ausheilte und daher in der Folge zu schwerem Rheuma in den Gelenken führte, vermutlich eine rheumatische Arthritis. Eine Heilmethode hierfür war vor der Entdeckung der Antibiotika nicht bekannt. 1919 unterzog sich der Arzt versuchsweise einer fast dreiwöchigen erfolgreichen Fastenkur bei einem Kollegen, Gustav Riedlin in Freiburg im Breisgau, der von amerikanischen Fastenärzten beeinflusst wurde und Fasten als die stärkste Therapie in der Naturheilkunde betrachtete. Buchinger schrieb über diese Erfahrung „Nach 19 Tagen war ich dünn, aber ich konnte wieder alle Gelenke wie ein junger Mann bewegen.“ Quelle wikipedia
Ich wollte das Fasten zuhause ausprobieren, im Alltag. Klaus hatte angeboten mitzumachen und im Nachhinein kann ich sagen, zum Glück. Zur Vorbereitung habe ich einige Podcasts gehört, YouTube Videos geguckt und das Buch Heilfasten von Dr. med Andreas Buchinger gelesen. Hieraus haben wir auch den Plan für die Fastenwoche und die folgenden Tage entnommen. Generell liest man überall einen ähnlichen Ablauf, er unterscheidet sich in Nuancen, wie ein oder zwei Entlastungstage und in den Rezepten für die Aufbautage hinterher. Somit haben wir den Plan aus dem Buch genommen, weil er am besten passte, aber wir haben ihn ein wenig angepasst.
Nun ging es an die Vorbereitung. In einem Podcast hatte ich gehört, dass eine Detox Woche vor dem Fasten alles einfacher machen kann. Es wurde z.B. empfohlen, den Kaffeekonsum einzuschränken, um Kopfschmerzen vorzubeugen, tierische Produkte und Zucker zu vermeiden. Da sowieso gerade Fastenzeit war, verzichteten wir bereits seit Aschermittwoch auf Süßigkeiten, Chips, etc. sowie Wurst. Kaffee trinken wir beide recht wenig, d.h. eine Tasse morgens. Klaus trinkt mittags einen Espresso, ich nur wenn ich im Homeoffice bin. Somit haben wir lediglich den Espresso weggelassen.
Mein Einkauf für den Beginn der Fastentage:

Am Samstag ging es dann mit einem Entlastungstag los. Zum Frühstück gab es etwas Obst, mittags Pellkartoffeln, geraspelte Karotten und einen Apfel und abends Brokkoli, Reis und Tomaten. Insgesamt sind es alles leckere Sachen, aber da es deutlich weniger war, als wir normalerweise essen, hatte ich schnell wieder Hunger. Außerdem bin ich nachmittags so müde gewesen, dass ich mich hinlegen musste. Das kenne ich sonst von mir nicht. Es ist zu vermuten, dass dies erste Entzugserscheinungen waren.




Am Sonntag stand dann die Darmreinigung an, davor hatte es uns am meisten gegraut. Klassisch nimmt man Glaubersalz. Da man davon aber meistens hört, dass es ganz schrecklich schmeckt, wollten wir das nicht nutzen. Ich hatte in einem YouTube Video gehört, dass es im Reformhaus eine Alternative gäbe. So waren wir dort und haben gefragt. Die nette Verkäuferin empfahl uns Sauerkrautsaft. Da saßen wir also an besagtem Sonntag jeder mit einer 0,7l Flasche Sauerkrautsaft vor uns. Daneben Tee, der sich als hilfreich erwies, um den Geschmack zwischendurch etwas zu neutralisieren. Nachdem wir alles ausgetrunken hatten, waren wir uns einig, unser neuer Lieblingssaft wird es nicht. Aber so schlimm war es auch nicht und den Erzählungen nach zu urteilen, nicht so schrecklich wie Glaubersalz. Ich schätze, dass es ca. 2 – 3 Stunden dauerte, bis sich die Wirkung zeigte. So hatten wir diesen Teil dann am späten Nachmittag hinter uns. Die Prozedur ist wichtig, damit der Darm leer ist und zur Ruhe kommt. Nur so bleibt während der Fastentage das Hungergefühl aus.

Abends haben wir die Gemüsebrühe, die unser Abendessen sein würde, gekocht. Wir haben dafür frisches Suppengrün genutzt und ausgekocht. Da es sich gut anfühlte, haben wir jeder an diesem Abend einen Teller gegessen. Und damit endete unser ersten Fastentag.

Am nächsten Morgen starteten wir recht normal in unseren Alltag, natürlich ohne die übliche Tasse Kaffee. Ich hatte an diesem Tag ziemlich starke Kreislaufprobleme. Dagegen trank ich eine Tasse Schwarztee, normalerweise trinkt man nur grünen Tee während des Fastens. Außerdem legte ich eine kurze Yoga-Einheit ein, was mir normalerweise gut hilft. Es blieb allerdings wackelig. Zum „Mittagessen“ gab es ein Glas Saft. Hier suchte ich den mit dem höchsten Zuckeranteil aus, um meinen Kreislauf zu unterstützen. Da man sich jeden Tag bewegen soll und wir im Homeoffice waren, gingen wir eine Runde spazieren. Beides half schließlich, so dass ich nachmittags keine Kreislaufprobleme mehr hatte. Abends gab es wieder einen Teller Brühe.


Klassisch macht man während des Fastens alle paar Tage einen Einlauf. Dr. Buchinger schrieb in seinem Buch aber, dass man sich das sparen könne, wenn man alle zwei Tage ein Glas Sauerkrautsaft trinkt. Das taten wir somit. Wieder war es nicht lecker, aber es ist wichtig, damit nichts im Darm hängenbleibt.
Am folgenden Tag, Dienstag, merkte ich noch ein bisschen was von den Kreislaufproblemen vom Vortag, aber es war nicht so schlimm und so gingen wir beide auch ins Büro. Da ich nicht sicher war, ob ich beim Anblick meiner essenden Kollegen nicht Hunger kriegen würde, beschloss ich, auch an diesem Tag spazieren zu gehen. Auch diesmal hat mir das gut getan. Klaus war unerschrockener und hat seinen Kollegen beim Essen zu gesehen. Es hat ihm nichts ausgemacht.

Am Mittwoch war mein Kreislauf dann so weit wieder fit und auch an den übrigen zwei Tagen merkte ich nichts mehr davon. Ich fühlte mich lediglich insgesamt energielos. An diesem Tag fing ich auch an zu frieren. Ich saß abends mit einer dicken Decke auf der Couch und mir wurde nicht warm. Für nachts habe ich mir eine weitere Decke auf meine Bettdecke gelegt und die Socken anbehalten, was ich sonst nicht mal im tiefsten Winter tue. Auch Klaus war etwas kälter als sonst.
Der Donnerstag war für mich ein Tiefpunkt. Ich fühlte mich energielos, antriebslos, meine Stimmung war betrübt. Obwohl ich nie Hunger hatte, was mich erstaunte, vermisste ich das Essen sehr. Donnerstagabend war ich im Fitnessstudio und das hat meine Stimmung zeitweise aufgehellt. Es hat erstaunlich gut geklappt, lediglich bei zwei Geräten habe ich die Gewichte etwas verringert, aber ansonsten lief es recht normal.
Wichtig ist, dass man viel trinkt, vor allem Tee und Wasser. Ich hatte einen Fastentee entdeckt, der mir allerdings nicht sonderlich gut schmeckte. Ich habe ihn mit einem Pfefferminztee gemischt, dann war er gut.

Donnerstag und Freitag waren wir wieder im Homeoffice und konnten in der Mittagspause etwas Sonne genießen.


Am Samstag, nach sechs Tagen, beendeten wir das Fasten. Das klassische Fastenbrechen wird mit einem Apfel gestaltet und man hört immer wieder, dass dieser der köstlichste Apfel sein soll, den man je gegessen hat. So waren wir gespannt, können aber sagen, dass wir das für uns nicht bestätigen können. Der Apfel war lecker, keine Frage, aber nicht köstlicher als sonst. Trotzdem war es super schön, endlich wieder etwas richtiges zu essen, zu kauen. Mittags gab es eine letzte Gemüsebrühe und noch einen Apfel. Ab jetzt hatte ich das Gefühl, dass meine Energie wieder kam und sich meine Stimmung hob. Abends gab es Gemüsesuppe, mit Kartoffeln. Die Menge war nicht gering und wir waren ziemlich satt hinterher, aber es hat super lecker geschmeckt.



Die nächsten drei Tage waren als Aufbautage gedacht, während derer man langsam die Kalorienaufnahme steigert. Wir wollten uns zumindest Sonntag und Montag recht genau an den Plan halten. Zum Start gab es am Sonntag für jeden drei Trockenpflaumen, die wir über Nacht in Wasser eingelegt hatten. Zum Frühstück gab es Quark mit Fruchtaufstrich und Apfel. Zum Mittagessen gab es Karottensalat, Feldsalat mit Dressing und Kartoffelpüree. Da man über den Tag verteilt insgesamt drei Äpfel essen soll, aßen wir einen zum Nachtisch. Abends gab es Paprika Sticks mit Kräuterquark und wieder einen Apfel.




Auch der Montag begann mit eingeweichten Trockenpflaumen. Zum Frühstück sollte es Müsli geben und da die Zutaten sich ähnelten, hatte ich meine üblichen Overnight Oats aus Haferflocken, Milch, Joghurt und Apfel für uns vorbereitet. Zum Mittagessen gab es gedünstete Möhren, Reis, Feldsalat und als Nachtisch Quark mit Obst. Abends gab es Tomaten und Zucchini-Frischkäse-Röllchen. Da mein Hunger zurückgekehrt war, wusste ich, dass mir das nicht reichen würde. Also aß ich eine Scheibe Brot dazu. Klaus schloss sich an und so erklärten wir das Fasten für beendet und gingen ab Dienstag zum normalen Alltag über.
Wie war nun diese Erfahrung, welches Fazit ziehen wir und was nehmen wir mit?
Die Erfahrung war interessant. Sechs Tage so gut wie nichts zu essen und trotzdem keinen Hunger zu haben, empfand ich als sehr spannend. Bis vor einigen Jahren hatte ich oft das Problem, dass mir schlecht wurde, wenn ich nicht rechtzeitig wieder etwas zu essen bekam. Ich war ziemlich abhängig vom regelmäßigen Essen. Die Fastenwoche war das absolute Kontrastprogramm und mir war nicht einmal schlecht. Richtige Kopfschmerzen hatten wir keine, vermutlich weil wir wenig Kaffee trinken und der Entzug somit nicht da war. Klaus hatte ein paar Mal ein leichtes Ziehen im Kopf, aber mehr nicht. Mir fehlte insgesamt die Energie. Ich habe mich wie nach einer Krankheit gefühlt, wenn man wieder gesund aber noch nicht ganz fit ist. Treppensteigen war anstrengender als sonst, genauso berghoch laufen. Da viele von einem Fastenhoch berichten bzw. davon, dass sie mehr Energie haben als sonst, weil der Körper nicht mit Verdauen beschäftigt ist, war ich etwas enttäuscht, dass es bei mir ganz anders aussah. Das hat sich etwas negativ auf meine Stimmung ausgewirkt. Klaus hatte keine Probleme, er hat sich wie immer gefühlt. Es war also eine gemischte Erfahrung.
Ein abschließendes Fazit haben wir noch nicht gezogen. Ich bin gespannt, wie es mir in der Heuschnupfen Saison gehen wird. Das Heilfasten kann positive Auswirkungen auf Allergien haben und vielleicht geht es mir dann besser als in den letzten Jahren. Was ich jetzt, ein paar Tage danach, schon merke, ist, dass mein Hunger wieder da ist. In den letzten Jahren ist der immer rückläufiger gewesen, aber jetzt habe ich den Eindruck, dass es wieder „wie früher“ ist. Das freut mich sehr, denn ich esse einfach super gerne.
An unserer Ernährung werden wir nichts ändern. Wir haben uns vorher schon sehr gesund ernährt, so dass wir jetzt keine Notwendigkeit für eine Umstellung sehen. Ein paar Ideen haben wir aber mitgenommen. So wird es am Wochenende zum Frühstück immer mal etwas Obst dazu geben. Abends haben wir schon in letzter Zeit wieder mehr Gemüse eingebaut, aber hier haben wir jetzt noch mehr Motivation das auszubauen.
Abhängig davon, wie es sich weiter entwickelt und vor allem auch, wie der Heuschnupfen sein wird, werde ich entscheiden, ob ich nochmal faste oder nicht. Wenn ja, will ich mich vorher erkundigen, was ich machen kann, dass es mir besser geht, dass ich mehr Energie und weniger Kreislaufprobleme habe. Dann kann es wahrscheinlich insgesamt eine sehr gute Erfahrung sein.
coole Erfahrung
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