Endlich vorbei…

Mit Ostern endet die 7-wöchige Fastenzeit. Bei Fasten denken die Meisten zuerst an Heilfasten, bei dem man nichts oder nur wenig isst. Gemeint ist aber das Fasten aus dem Christentum heraus, das Aschermittwoch beginnt. Es dauert 40 Tage und hat verschiedene biblische Hintergründe, wie das ebenfalls 40-tägige Fasten Jesu in der Wüste, die 40 Tage Sintflut, die 40 Jahre, die das Volk Israel durch die Wüste zog, die 40 Tage, die Mose auf dem Berg Sinai in Gegenwart Gottes verbrachte und an die Frist von 40 Tagen, die der Prophet Jona der Stadt Ninive verkündete, die durch Fasten und Büßen Gott bewegte, den Untergang von ihr abzuwenden.

Für viele hat das Fasten vermutlich nichts mit Religion zu tun. Man verzichtet auf Dinge bzw. Genüsse, die alltäglich geworden sind, um sie danach wieder vermehrt genießen zu können. Die Meisten, wie auch ich, verzichten vor allem auf Alkohol und Süßigkeiten. Auf Alkohol zu verzichten fällt mir nicht schwer, da ich sowieso nicht viel trinke. Aber der Verzicht auf Naschereien, Chips etc., ist deutlich schwerer zu ertragen. Gerade über Weihnachten und Fastnacht steigt der Konsum sehr an. Darauf plötzlich zu verzichten ist schwierig. Aber ich habe es bisher jedes Jahr geschafft und stelle hinterher immer wieder fest, dass ich an Ostern nicht Tonnen an Schokolade futtere, weil ich plötzlich wieder darf. Im Gegenteil, durch den „Entzug“ reicht mir meistens ein kleines Stück für den Genuss.

In den meisten Jahren habe ich mir noch etwas Zusätzliches gesucht, auf das ich verzichtet habe. Gerade dieses Zusätzliche hat schon mehrfach auch nachhaltig etwas bei mir geändert. Ein Jahr habe ich auf Fernsehen verzichtet. Dadurch habe ich wieder angefangen mehr zu lesen. Ein Jahr fiel mir nichts ein, was ich weglassen könnte, also habe ich mir vorgenommen, einmal pro Woche Fisch zu essen. So habe ich festgestellt, dass es gar nicht schwierig ist, Fisch zu zubereiten, was ich vorher immer dachte.

Das härteste, was ich mir mal überlegt hatte, war letztes Jahr: Zucker. Ich habe auf jeglichen zugesetzten Zucker verzichtet. Einerseits war das ziemlich anstrengend, denn ich musste im Supermarkt auf allen Packungen erst mal lesen, ob irgendwo Zucker drin ist. Außerdem habe ich vieles selbst gemacht, wie z.B. Joghurt, denn in den gekauften Fruchtjoghurts ist grundsätzlich Zucker zugesetzt. Andererseits habe ich viel gelernt. Es ist erstaunlich, wo überall Zucker drin ist, wo man es nicht vermutet hätte. Und in vielen Produkten empfinde ich es als unsinnig. So verzichte ich oft darauf bzw. bereite sie selbst zu. Generell konnte ich meinen Zuckerkonsum verringern. Vor der Fastenzeit habe ich meinen Kaffee mit zwei Löffeln Zucker getrunken, heute reicht einer.

Ich finde es interessant, was 7 Wochen bewegen können. Ein Freund von mir, der in einem Jahr Fleisch gefastet hat, und vorher der absolute Fleischesser war, isst heute nur noch sehr wenig Fleisch und wenn, dann aus möglichst guter Quelle.

Das wichtigste für mich ist aber, dass ich vieles hinterher wieder mehr genießen kann. Klaus hat dieses Jahr wieder Fleisch gefastet. Gestern waren wir bei Freunden zum traditionellen Osterfeuer. Wie immer gab es dazu Gegrilltes.

Die erste Bratwurst nach 7 Wochen Fleischfasten war für ihn der größte vorstellbare Genuss.

Das ist für mich der Inbegriff des Fastens.

Ein Kommentar

Hinterlasse eine Antwort zu K.-Theodor Hermann Antwort abbrechen