Rom – die ewige Stadt

Ursprünglich hatten wir 2022 Rom als Ziel für unsere Hochzeitsreise ausgewählt. Allerdings fuhr der Nachtzug damals aufgrund von Baustellen nicht dorthin. 2023 waren die Baustellen weg und wir konnten buchen. Wie alle ÖBB Nachtzüge nach Italien startete auch der Romzug in München. Abfahrt war Montagabend und da wir München immer gerne besuchen, fuhren wir schon am Sonntag dorthin. So konnten wir den Montag gemütlich in der Innenstadt und im englischen Garten verbringen, in Brauhäusern sitzen und uns unterhalten.

Abfahrt nach Rom war um 20:09 Uhr und so fanden wir uns entsprechend vorher am Bahnsteig ein. Bisher hatten wir nur sehr gute Erfahrungen mit den ÖBB Nachtzügen gemacht und entsprechend freuten wir uns wieder auf die Fahrt. Leider wurden wir diesmal enttäuscht, denn aufgrund eines technischen Defekts fehlte unser gebuchter Schlafwagen. Unsere gebuchte Wagonnummer und die Plätze waren angeschrieben, aber es war ein Liegewagen. Zunächst heißt das einfach weniger Komfort, aber es bedeutete auch, dass wir uns ein Abteil mit einem fremden Paar teilen sollten. Auch andere Fahrgäste sollten sich Abteile teilen, was keinen freute, denn alle hatten Schlafwagenabteile mit der entsprechenden Privatsphäre gebucht. So diskutierten alle eine ganze Weile mit der Zugbegleiterin herum, die natürlich nichts für die Situation konnte, es aber auch leider nicht schaffte, deeskalierend auf alle einzuwirken. Der Ärger war groß, aber ändern konnten wir an der Situation nichts und so fügten wir uns irgendwann alle in unser Schicksal. Im Nachhinein war es nicht so schlimm, wie wir es in dem Moment empfunden haben, außerdem haben wir im Nachgang einen ordentlichen Teil des Fahrpreises erstattet bekommen. Der Vorfall wird uns also nicht davon abhalten, wieder mit dem Nachtzug zu fahren.

Am nächsten Morgen kamen wir, mit zwei Stunden Verspätung, in Rom an und liefen zu unserem Hotel Leon‘s Place, das ca. 15 Minuten Fußweg vom Bahnhof entfernt lag. Wir konnten bereits einchecken, mussten aber noch eine Stunde warten, bis unser Zimmer fertig war. Die Zeit nutzen wir und gingen in der Nähe im Ristorante Di Vincenzo Mittagessen.

Anschließend bezogen wir unser Zimmer, zogen uns um, denn in Rom waren es fast 30° C und gingen wieder los zu den ersten Sehenswürdigkeiten auf unserer Liste. An die erste Kirche, die wir besichtigten, Santa Maria Maggiore hatte ich einige Erinnerungen von meiner Abifahrt. Damals hatten wir ein Hotel in der Nähe und saßen abends immer auf den Treppenstufen herum. Heute geht das nicht mehr, da alles abgesperrt ist, weil es eine Sicherheitskontrolle vor dem Eingang gibt. Die Kirche empfanden wir als sehr sehenswert, vor allem die Decke beeindruckte uns. Eine Decke in dieser Form haben wir danach noch ein paar Mal in Rom gesehen.

Als nächstes stand der Trevi Brunnen auf der Liste. Ein Muss für einen Rombesuch, fanden offensichtlich nicht nur wir. Hier haben wir das erste Mal den Massentourismus gespürt. Man kam gar nicht an den Brunnen heran. Ich war sprachlos.

Weiter ging es zur spanischen Treppe. Auch hier war es voll, allerdings ist Sitzen auf der Treppe nicht mehr erlaubt oder zumindest nicht für länger, deshalb war es nicht so arg gedrängt.

Mittlerweile ging die Sonne unter und nach einem Blick über die Stadt vom Kopf der Treppe aus, gingen wir zurück ins Hotel.

Das Leon’s Place, ein schönes modernes Hotel, liegt ca. 30 Minuten Fußweg von der Innenstadt entfernt, was mich zunächst enttäuscht hatte. Denn nach dem ersten halben Tag war klar, dass Rom so weitläufig ist, dass unsere Füße am Ende des Tages wund gelaufen sein würden, so dass der Weg in die Innenstadt für ein Abendessen zu weit wäre. Nach dem ersten Eindruck des Massentourismus und den einhergehenden Effekten, wie Massenabfertigung in Restaurants mit Speisekarten mit Bildern und schlechter Qualität, war es aber gut, dass das Hotel etwas weiter weg lag. In unmittelbarer Nähe gab es viele Restaurants, die wir nach und nach probierten. Wir haben überall lecker gegessen, immer waren auch Italiener als Gäste anwesend, mal mehr und mal weniger, was ein gutes Zeichen ist. So hatten wir sehr schöne Abende hier.

Für den nächsten Tag hatten wir bereits Tickets für den Petersdom von zuhause aus gekauft. Da noch etwas Zeit war, bis wir uns dort einfinden mussten, gingen wir zum Pantheon. Leider war die Schlange so lang, dass wir befürchteten, zu spät am Petersdom zu sein und so vertagten wir unseren Besuch. Auf dem Weg zum Petersdom konnten wir einen guten Blick auf die Engelsburg auf der anderen Seite des Tibers werfen.

Auch die Schlange am Petersdom war unglaublich lang, aber wir hatten Tickets und hofften so, dass wir uns nicht anstellen müssten. Leider hofften wir vergebens, denn die Schlange war für die Sicherheitskontrolle, durch die natürlich jeder muss. So standen wir ca. 45 Minuten in der prallen Sonne an und hörten unserer Führerin zu, wie sie uns einiges zum Petersdom und Rom erzählte. Das Warten hat sich unserer Meinung aber gelohnt, der Petersdom ist definitiv ein Muss.

Unser Ticket beinhaltete auch den Aufstieg zur Kuppel. Entweder kann man komplett Treppe laufen oder man fährt ein erstes Stück mit dem Fahrstuhl. Egal wie, man sollte gut zu Fuß sein und etwas Kondition haben, außerdem nicht unter Platzangst leiden, denn an einer Stelle wird es recht eng. Der Blick von der Kuppel in den Dom und natürlich auf die Stadt entschädigen aber für alles.

Aufgrund der langen Wartezeit vorher und ein paar Vorfälle während der Führung dauerte alles länger als gedacht und so kamen wir erst gegen 17 Uhr zu einem kleinen Mittagessen. Ich konnte mich von meiner Abifahrt daran erinnern, dass es überall Pizzerien gibt, wo man kleinere Stücke kaufen und im Stehen essen kann. So eine fanden wir in der Nähe und genossen die erste Pizza in Rom.

Als nächstes liefen wir zur Piazza Navona, ein großer Platz mit dem Springbrunnen La Fontana dei Quattro Fiumi, vielen Restaurants und Cafés außenherum sowie der Chiesa Sant‘ Agnese in Agone, die wir natürlich besichtigten.

So ging ein weiterer ereignisreicher Tag in Rom zu Ende.

Am nächsten Tag hatten wir auch wieder vorgebuchte Tickets, diesmal für eine Fahrt durch die vatikanischen Gärten sowie den Besuch der sixtinischen Kapelle. Da wir es aber vorher nochmal beim Pantheon probieren wollten, standen wir etwas früher auf und hatten diesmal Glück, die Schlange war nicht so lang.

Auch an das Pantheon konnte ich mich noch von meiner Abifahrt erinnern und fand es wieder sehr beeindruckend.

Für die Fahrt durch die vatikanischen Gärten mussten wir zu den vatikanischen Museen und waren sehr dankbar, dass wir diesmal tatsächlich Tickets hatten, mit denen wir an der ewig langen Schlange vorbei gehen konnten. Drinnen angekommen, mussten wir noch einen Moment warten, bis uns unser Guide mitnahm und zu einem Bus brachte. Schon am Tag vorher hatten wir uns über uns selbst geärgert, da wir für die Führung im Petersdom nicht an eigene Kopfhörer für den Audioguide gedacht hatten und deshalb die billigen Einmal-Kopfhörer nutzen mussten, die die Führerin austeilte. Diesmal waren wir besser vorbereitet und hatten Kopfhörer dabei. Die Gärten haben uns sehr gut gefallen. Man kann sich gut vorstellen, dort als Papst die verschieden angelegten Bereiche zu genießen und seinen Gedanken nachzugehen.

Wieder in den vatikanischen Museen angekommen wollten wir jetzt in die sixtinische Kapelle. Es gibt keine Möglichkeit direkt dorthin zu kommen, d.h. man läuft durch das komplette Museum. Da aber alle wohl nur zur sixtinischen Kapelle wollten, war es eine große Menschenmasse, die sich durch die Gänge schob. Selbst wenn man sich etwas hätte anschauen wollen, hätte man keine wirkliche Chance gehabt.

In der sixtinischen Kapelle darf man nicht fotografieren und durch die Aufpasser, die alle in die Mitte scheuchen und anbrüllen, sobald man Anstalten macht, doch fotografieren zu wollen, ging die Heiligkeit des Raumes verloren. Das berühmte Bild mit dem Fingerzeig haben wir etwas suchen müssen, aber schlussendlich gefunden. Trotz allem ist es schön, dass wir es persönlich gesehen haben.

Wieder draußen angekommen, suchten wir uns eine kleine Pizzeria für ein Mittagessen. Hier landeten wir das erste Mal in einer, wo die Stücke nach Gramm abgerechnet werden. Es war wieder sehr lecker.

Die nächste Kirche stand auf dem Plan und wollte besichtigt werden: Basilica S’Andrea Della Valle

Die nächste berühmte Sehenswürdigkeit, die wir ansteuerten, war die Piazza Venezia mit dem Denkmal für den ersten König von Italien, Viktor Emanuel II. Der Verkehr hier war unglaublich und leider gab es eine große Baustelle auf dem Platz. Trotzdem war es beeindruckend.

Das Forum Romanum schauten wir uns nur von oben an, denn wir wussten vorher schon, dass uns dies nicht näher interessierte.

Unser Ziel war es, so viele Kirchen wie möglich zu besichtigen und so stand als nächstes die San Pietro in Vicoli auf unserer Liste.

Das wohl berühmteste Bauwerk Roms, das Kolosseum, ragte nun vor uns auf. Von unseren vorherigen Rombesuchen, denn auch Klaus hatte seine Abifahrt nach Rom gemacht, wussten wir, dass wir nicht nochmal ins Kolosseum wollten, aber von außen wollten wir es unbedingt sehen. Es ist gewaltig.

Unsere Füße waren wieder platt und wir hatten viele Eindrücke gesammelt, so dass wir den Tag damit beendeten.

Der nächste Tag war auch wieder vollgepackt mit Kirchen, die allerdings etwas außerhalb lagen, so dass wir Metro fuhren. Die Tickets kauften wir direkt am Schalter am Bahnhof, was unkompliziert war. Unser erstes Ziel war San Giovanni in Laterano, eine der sieben Pilgerkirchen und der fünf Papstbasiliken Roms. Sie hat uns sehr beeindruckt.

Auch die nächste Kirche, San Groce in Gerusaleme gehört zu den sieben Pilgerkirchen.

Die Kirche San Paolo Fuori le Mura gehört ebenfalls zu den Pilgerkirchen und ist auch eine der Papstbasiliken. Um sie zu erreichen, mussten wir erst wieder Metro fahren und eine Weile suchen, bis wir den Zugang fanden. Der Aufwand hat sich gelohnt, die Kirche hat uns staunen lassen.

Um eine weitere Pilgerkirche zu erreichen, die San Sebastiano Fuori Le Mura fuhren wir Bus. Dies war etwas abenteuerlich, denn die Straßen mit Kopfsteinpflaster sind nicht unbedingt für den Fahrstil der römischen Busfahrer ausgelegt, so dass ich ein paar Mal befürchtete, der etwas altertümliche Bus würde auseinanderbrechen. Dafür sieht man mehr, als wenn man Metro fährt.

Die Kirche empfanden wir als recht unspektakulär und da es dort nichts weiter zu sehen gab, fuhren wir direkt mit dem Bus wieder zurück.

Auch an diesem Tag gab es Pizza zum Mittagessen.

Die letzte Kirche hatten wir an unserem ersten Tag schon besichtigen wollen, standen aber vor verschlossenen Türen. Diesmal hatten wir Glück und konnten die San Lorenzo Fuori Le Mura besichtigen.

Die nächsten Tage verbrachten wir dann im Hotel Civico Zero in Tarquinia am Mittelmeer, wo wir uns mit lesen am Pool entspannen und von den vielen Schritten in Rom erholen konnten.

Da der Nachtzug zurück wieder von Rom aus ging, kehrten wir wieder dorthin zurück und besichtigen noch zwei Kirchen, die gar nicht auf unserer Liste standen. Wir entdeckten sie zufällig.

Basilica Die SS Ambrogio e Carlo

Am Rande des Piazza Del Popolo genossen wir ein Bier bzw. Aperol Spritz.

Den Abschluss bildete die Basilica del Sacre Cuore di Gesu

Auf der Rückfahrt hatten wir wieder unser gebuchtes Schlafwagenabteil, was uns mit dem Stress der Hinfahrt versöhnte.

Mein Fazit unseres Rombesuchs ist zweigeteilt. Einerseits ist es eine sehr sehenswerte Stadt, sofern man sich für Geschichte, Kirchen etc. interessiert. Wir haben in mehreren Kirchen sehr gestaunt, obwohl wir schon viele Kirchen gesehen haben. Auch das Pantheon und die verschiedenen Plätze sind beeindruckend. Andererseits hat mich der Massentourismus bzw. die Nebeneffekte dessen sehr gestört. Ständig begegnen einem große Gruppen mit Stadtführern, alle mit Audioguide, die meisten mit Einmal-Kopfhörern zum Wegwerfen. Überall gibt es billige Souvenirs zu kaufen und die Leute stehen mit Körbchen um die Stände herum und suchen sich in Massen Magnete, Billig-Schmuck etc. aus. Das meiste wird nicht lange halten und deshalb schnell im Müll landen. Die Stadt ist dreckig, überall liegt Müll herum. Oft habe ich mich auch gefragt, was die Leute dort wollen. Viele posen ewig vor den Sehenswürdigkeiten herum und machen Selfies. Da frage ich mich, ob es ihnen um die Sehenswürdigkeit geht oder darum, posten zu können, dass sie dort waren.

Die Probleme des Massentourismus sind bekannt und Rom will etwas dagegen tun. Venedig hat schon viel erreicht und dort haben wir den Massentourismus kaum wahr genommen. Somit hoffe ich, dass es auch in Rom irgendwann besser wird. Meine Empfehlung ist es, eine Romreise ein paar Jahre in die Zukunft zu schieben, in der Hoffnung, dass man die Stadt dann wieder mehr genießen kann. Besuchen sollte man sie sicher einmal.

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